Hals- und Gesichtschirurgie

Die Hals- und Gesichtschirurgie (zervikofaziale Chirurgie) ist der medizinisch-chirurgische Zweig, der sich mit den physiologischen Gegebenheiten und pathologischen Erscheinungen folgender Regionen befasst: Ohren, Schläfenbein, seitliche und vordere Schädelbasis, Nase, Nasennebenhöhlen, Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Speiseröhre, Kopf, Hals, Schilddrüse, Speichel- und Tränendrüsen. Diese medizinische Fachrichtung widmet sich daher der Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Gehörs, des vestibulären Systems, des Geruchs- und Geschmackssinns, des Gleichgewichtssinns, der Sprach- und Stimmfunktion sowie von Erkrankungen der Hirnnerven. Die wichtigsten Erkrankungen in diesen Bereichen können als Ursache einen Tumor, eine Infektion oder eine Verletzung haben (z.B. durch einen Sportunfall). 

Symptomatik von Tumoren im zervikofazialen Bereich

Gutartige und bösartige Tumore im Kopf-Hals-Bereich (auch zervikofazialer Bereich genannt) betreffen die Mundhöhle (Mund, Zunge und Zahnfleisch), Rachen, Kehlkopf, Hypopharynx, Nebenhöhlen, Speicheldrüsen, Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Der Kehlkopf ist der am häufigsten betroffene Bereich, gefolgt von der Mundhöhle und dem Rachen. 

90 % der bösartigen Tumore des Kopfes und Halses sind Plattenepithelkarzinome: Es handelt sich um bösartige Hauttumore, auch „squamöse Zellkarzinome“ genannt, weil sie aus den squamösen Zellen der Epidermis stammen. Diese Tumore treten in der Regel im fortgeschrittenen Alter auf und manifestieren sich durch ein verändertes Hautbild. Die Exposition gegenüber ultravioletten Strahlen spielt eine grundlegende Rolle bei den genetischen Veränderungen, die diese Art von Tumor verursachen. Obwohl diese Art von Tumor an jeder Stelle des Körpers auftreten kann, betrifft er häufiger bestimmte Bereiche (z.B. Gesicht, Ohren, aber auch Handrücken und Kopfhaut, da dies die am stärksten der Sonne ausgesetzten Bereiche sind).

Die restlichen 10 % sind Tumore mit einer anderen Histologie. Diese Tumore bleiben in der Regel für einige Monate auf den Bereich beschränkt, in dem sie auftreten. Dann befällt die Krankheit jedoch benachbarte Gewebe und setzt einen Prozess der „Metastasierung“ in Gang, d.h. die Krankheit breitet sich auf die Lymphknoten am Hals aus.

Krebserkrankungen manifestieren sich durch das Auftreten von Knötchen oder Knoten am Hals, die durch geschwollene Lymphknoten verursacht werden. In selteneren Fällen manifestiert sich der Tumor durch Kurzatmigkeit: Der Betroffene kann sich nachts, bei einer anstrengenden Tätigkeit oder, bei einem grossen Tumor, sogar im Ruhezustand kurzatmig fühlen.

Das erste Symptom einer krankhaften Veränderung des Kehlkopfes ist häufig eine Dysphonie (Stimmstörung). Ein Tumor kann sich aber auch durch Schluckbeschwerden und Schmerzen manifestieren, die auf das Ohr ausstrahlen können, insbesondere wenn sich die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium befindet.

Der Rachen-Tumor kann einen der drei Teile des Rachens betreffen: den Nasenrachenraum (oberer Teil), den Oropharynx (Zwischenteil) und den Hypophaynx (unterer Teil). Begleitet wird der Tumor von einem unangenehmen Gefühl, dem Gefühl eines Fremdkörpers oder Schmerzen im Rachen (manchmal über die Nervenwurzeln bis ins Ohr). Er kann auch mit Schluckbeschwerden, Mundgeruch, einer nasalen Stimme oder einer reichlichen Speichelproduktion einhergehen. Bei einem Tumor des Rhinopharynx (Nasenrachenraum) ist die Symptomatik jedoch unauffälliger. In der Anfangsphase der Erkrankung sind die Symptome tendenziell eher leicht (wiederkehrende Ohrinfektionen, Gefühl von verstopften Ohren, verstopfter Nase, stark erhöhte Produktion von Nasensekret). In Fällen, in denen sich die Krankheit in einem weiter fortgeschrittenen Stadium befindet, wenn sich die Krankheit nämlich vom Nasenrachenraum auf den tieferen Teil, das Endokranium, ausbreitet, kann der Patient unter Migräne (manchmal heftig und nicht auf übliche Behandlungen ansprechend), Geruchsverlust, Sehverlust oder Doppeltsehen leiden.

Ein Tumor der Mundhöhle kann Zunge, Zahnfleisch, Innenseite der Wangen, Lippen, Mundboden oder Gaumen betreffen. Die Symptome sind oft unklar: Die Beschwerden des Patienten betreffen leichte Blutungen oder kleine Blasen beziehungsweise Wunden, die nicht heilen. Geschwüre oder Läsionen im Mund können daher als nicht zu vernachlässigende Warnsignale angesehen werden.

Nebenhöhlentumore (Nasenhöhlen, Kieferhöhlen, Siebbeinhöhle) werden von einem Gefühl der Nasenverstopfung, einer anhaltenden Erkältung und häufigem Nasenbluten begleitet. Die Krankheit manifestiert sich manchmal in Schmerzen, veränderter Empfindlichkeit der Gesichtshaut (oder sogar Lähmung), da der Tumor benachbarte Nerven, Muskeln oder Knorpelgewebe beeinträchtigen kann.

Die Symptomatik des Speicheldrüsentumors macht sich zumindest im Frühstadium kaum oder gar nicht bemerkbar. In einem späteren Stadium der Erkrankung kann eine nicht schmerzhafte Verdickung am oder auf dem Unterkiefer, oder in der Mundhöhle ertastet werden. Weitere Symptome sind die Lähmung einer Gesichtshälfte oder Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes.

Diagnose und operative Behandlung von Tumorenim zervikofazialen Bereich 

Zur Diagnose eines Tumors am Kopf oder Hals müssen diagnostische Tests zum Nachweis oder Ausschluss der vermuteten Erkrankung durchgeführt werden, wie z.B. Laboruntersuchungen (Blut- und Urintests), MRT, CT und Biopsie (zur Bestätigung der Tumorart).

Ein chirurgischer Eingriff ist in den meisten Fällen unumgänglich, denn er garantiert die grössten Heilungschancen. Es ist jedoch Sache des Chirurgen, die Resektabilität des Tumors und die Operationsfähigkeit des Patienten zu beurteilen. Nur ein erfahrener Chirurg kann beurteilen, ob die Möglichkeit einer vollständigen makroskopischen Entfernung des Tumors besteht, ohne dabei lebenswichtige oder solche Strukturen zu beeinträchtigen, deren Fehlen einen unannehmbaren Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten hätte. 

Die onkologische Operation bei Neoplasien im Kopf- und Halsbereich kann die vollständige oder teilweise Entfernung der betroffenen anatomischen Region beinhalten, insbesondere wenn diese sich in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium befindet (z.B. im Fall einer Kehlkopfentfernung beziehungsweise eines Teils davon, auch Laryngektomie genannt). Diese Eingriffe umfassen die Rekonstruktion von entfernten Strukturen sowie die multidisziplinäre Betreuung des Patienten bis zur postoperativen Phase, um die Funktionen der Atmung, des Schluckens und Phonation wiederherzustellen. Wenn man noch einmal das Beispiel des häufigsten Tumors - des Kehlkopftumors - betrachtet, so kann die stimmliche Rehabilitation des Patienten nach einer Laryngektomie die Anwendung einer Stimmprothese erfordern (eine unidirektionale Klappe, welche die ausgeatmete Luft vom Tracheostom zum Rachen durchlässt und gleichzeitig das Eindringen von Flüssigkeit vom Rachen in die Luftröhre verhindert).

Wenn das Karzinom in der Frühphase diagnostiziert wird und nicht sehr ausgedehnt ist, so kann der spezialisierte Chirurg sich für eine funktionelle Operation entscheiden. Sie besteht darin, den Tumor zu entfernen und gleichzeitig die Mechanismen von Schlucken, Stimmbildung und Atmung zu erhalten. Dieser therapeutische Ansatz erfordert eine perfekte Kenntnis, bis wohin sich der Tumor ausgebreitet hat, um eine radikale Entfernung durchzuführen. Dabei ist jedoch immer auch der Allgemeinzustand des Patienten (z.B. Atemfunktion) zu berücksichtigen.

Andere Erkrankungen, die im Rahmen der zervikofazialen Chirurgie behandelt werden können

Die zervikofaziale Chirurgie kann notwendig sein, um auch andere Erkrankungen im Kopf- und Halsbereich (z.B. Infektionskrankheiten) zu behandeln, wenn sich andere medizinische oder medikamentöse Behandlungen als wirkungslos erwiesen haben. So ist es beispielsweise bei chronischer Sinusitis, bei der sich entzündungshemmende oder abschwellende Behandlungen und eine Therapie zur Sekretdrainage als wirkungslos erwiesen haben, jederzeit möglich, ein spezifisches chirurgisches Verfahren anzuwenden, um das Sekret durch die Nasennebenhöhlen und Nasenhöhlen abzuleiten.

Als weiteres Beispiel kann auch die mikrochirurgische Operation des Ohrs genannt werden, durch die ein perforiertes Trommelfell rekonstruiert oder die miteinander gekoppelten Gehörknöchelchen im Ohr ersetzt werden können.